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(zu Erfahrungsbericht)

Erfahrungsbericht Camcorder AG-HCM41 von Panasonic

Schier unbegrenzte Möglichkeiten

In den letzten sonnigen Tagen im Herbst letzten Jahres stellte uns Pansasonic den semiprofessionellen Camcorder AG-HMC41E kurz als Testleihstellung zur Verfügung. Die technischen Daten und das Gesamtkonzept, das hinter diesem AVCHD-Camcorder steckt, war einfach zu verlockend für mich.

DSCF3836 222DSCF3839 222In den Camcordern vom Typ AVCHD von Panasonic erfolgt die Speicherung von Bild und Ton auf Briefmarken-großen Speicherkarten vom Typ SDHC. Zum Testgerät lieferte Panasonic eine Karte mit 4 GByte Kapazität mit. Im Format 1080/50i ließen sich damit ziemlich exakt 80 Minuten aufzeichnen. Im Freien, bei hellstem Sonnenschein, lieferte der Camcorder wunderbare Bilder. Aber auch im geschlossenen Raum, bei üblicher schummriger Wirtshausbeleuchtung, gelingen gute Aufnahmen, nur die Auflösung lässt in diesen Situationen nach.

DSCF3873 222Wer mit dem Gedanken an das hochauflösende Fernsehen spielt und mit dem Kauf eines entsprechenden HD-Camcorders liebäugelt, sollte vor lauter Begeisterung nicht übersehen, dass die riesigen Datenmengen, die dann anfallen, auch zu dem Computer passen müssen, der die Aufnahmen nachbearbeiten soll. HD am Computer zu bearbeiten, das fordert Höchstleistungen vom Prozessor, der Grafikkarte und von den Festplatten.

Wg. seinen vielen manuellen Einstellmöglichkeiten zählt der Camcorder AG-HCM41 von Panasonic meines Erachtens zur Gruppe der semiprofessionellen Aufnahmegeräte. Und besonders begeistert hat uns zunächst das 12-fach-Objektiv von Zeiss, auch wenn dies mehr als ein Verdienst der Objektivbauer anzusehen ist. Das Zoomen mit diesem Objektiv macht viel Spaß, was natürlich zu Beginn dazu verleitet, diesen Effekt viel zu häufig einzusetzen. Das weiche Anfahren und Stoppen der Zoomfahren sind ein Pracht. Nur schade, dass beim Verfolgen eines bewegten Bildes immer eine gewisse Unsicherheit mitschwebt bzgl. der optimalen Fokussierung. Sicherlich legt sich diese Sorge nach mehreren Tagen aktiver Arbeit mit diesem Aufnahmegerät. Dann, wenn immer deutlicher die Erkenntnis wächst, dass keine Probleme mit dem Fokus aufgetreten sind.

DSCF3887 222Wir filmten deshalb mit geringem Stressfaktor bei eingeschalteter Automatik. Der Fokus, die Blende, die Tonaussteuerung, der Weißabgleich usw., alles überließen wir den Automatiken im Camcorder und konzentrierten uns voll darauf, interessante, farbenprächtige Herbstmotive festzuhalten. Dabei erregten wir offenbar, mitten in einer Wiese filmend, soviel Aufsehen, dass vom nahegelegenen Flughafen Oberpfaffenhofen ein Hubschrauber aufstieg, zwei Ehrenrunden über uns drehte und dann hinter einem Hügel verschwand. Da ich in dieser überraschenden Phase mit dem Camcorder vom Stativ aus filmte, konnte ich alle Details des Flugzeugs gut festhalten und ebenso die automatische Verstärkungsregelung des Audioteils, gefordert vom Lärm des Hubschraubers, testen. Datum und Uhrzeit, den Timecode, speichert der Camcorder automatisch.

DSCF3880 222Auch das Filmen aus der Hand macht viel Spaß mit dem HCM41. Da kaum noch Mechanik im Gerät steckt, bestimmen das Objektiv, der Strahlenteiler, der Akku, das Mikro, der Mikrofonvorverstärker, das Gehäuse und ein paar Platinen im Geräteinneren das Gesamtgewicht. Knapp über 1 kg bringt der Camcorder auf die Waage. Gesichert von der Handschlaufe lässt er sich angenehm halten, ohne dass gleich nach ein paar Minuten der Arm vom Gewicht erlahmt. Wenig professionell erscheint die Konstruktion des Drehschalters zum Einschalten des Geräts, der mit einem Druckknopf zum Starten von Record und einem zweiten Mini-Schalter zum Verriegeln der Drehschalters kombiniert ist. Andererseits, wenn sich die Konstruktion in der Langzeit-Praxis als wenig störanfällig erweist, erfüllt sie ihren Zweck.

DSCF3842 222Einen Mangel, der sicherlich noch ein paar Jahre besteht, stellt die relativ geringen Auflösung des eingebauten Suchermonitors bzw. die Wiedergabe auf dem ausklappbaren, drehbaren LC-Display dar. Auf diesen "externen" 2,7 Zoll großen Bildschirm, ausgeführt als Touchscreen-Monitor, lagerten die Entwickler von Panasonic u.a. die ansonsten mechanischen Bedienelemente des Camcorders aus. D.h., die Laufwerksfunktionen für Play, Pause, Stopp und schneller Vor- und Rücklauf sucht man zunächst am Gerät vergeblich - andererseits existiert hier auch kein Laufwerk im althergebrachten Sinne mehr. Dieses seitlich angeordnete Display, dessen Bild bei Sonnenschein im Freien fast keinen Kontrast mehr bietet, mutierte allmählich zur Spielwiese der Software-Entwickler bzw. zur visuellen Kommunikationsschnittstelle zwischen Camcorder und Bediener. Mit der Vorstellung im Kopf, dass der Pilot eines Flugzeuges auch X Instrumente parallel auf einen Blick erfassen kann, muss hier vorgegangen worden sein. Bis der Kameramann alle Einblendungen in den Bildschirm registriert, bewertet und verarbeitet hat, gehört das Ereignis, das er eigentlich filmen wollte, sicherlich schon längst der Vergangenheit an, es sei denn, er filmt das Wettrennen zweier Schnecken. Andererseits besteht eine gewisse Berechtigung, sogar Notwendigkeit, Informationen über den Zustand des Camcorders zu erfahren. Zudem erwartet der Kameramann von seinem semiprofessionellen Camcorder mehr Detailinfos, als von einem Konsumergerät. Und diese bekommt er im Display reichlich geboten, nachzulesen auf den 126 Seiten der Bedienungsanleitung.

DSCF3813 222Als besonders nützlich für den Anwender erschien mir die Funktion "Quick Start". Mit Betätigen der Taste QUICK START, platziert über dem Hauptschalter, zwei Sekunden lang, geht das Gerät nach 1,5 s in den Quick Start-Bereitschaftsmodus über. Die optischen Signale für CAMERA und PHOTO blinken auf. Eventuell dauert der automatische Weißabgleich in dieser Funktion etwas länger. Vorsicht! Im Quick Start-Bereitschaftsmodus verbraucht der Camcorder bereits Energie aus dem Akku. Nach 30 Minuten schaltet die Elektronik diesen Standby-Modus automatisch ab, folgt kein Startbefehl für die Aufnahme. Dass die Aufnahme läuft, bekommt der Kameramann durch Leuchten eines roten Punktes im Display optisch bestätigt. Parallel dazu aktiviert die Elektronik die nach vorne gerichtete Kamerakontrolllampe über dem Objektiv, wenn dies per Menü eingestellt wurde. Blinken dieser Lampe weist auf einen bald leeren Akku oder eine zur Neige gehende Speicherkapazität der SD-Karte hin. Zudem Blinkt diese Lampe beim Empfang von Befehlen von der Fernbedienung.

Der Beschreibung des Touch-Pannels hat Panasonic in seiner Bedienungsanleitung einen hohen Grad an Aufmerksamkeit zugewandt. Bei entsprechender Menüeinstellung bietet der Camcorder gleichzeitige Bildwiedergabe auf dem Touch-Panel als auch auf dem Suchermonitor. Helligkeit und Farbe der beiden Bilder müssen nicht übereinstimmen. Panasonic empfiehlt zur Bildkontrolle die Wiedergabe auf einem Fernsehgerät. Das Problem mit der direkten Sonneneinstrahlung in den schwenkbaren Sucher, wobei die Brennglaswirkung der Lupe im Sucher den Suchermonitor beschädigen kann, besteht.

DSCF3818 222Der Wechsel des Aufnahmemediums von der DV-Kassette zur SD-Speicherkarte erfordert ein neues Vorgehen im Rahmen der Vorbereitung der Aufnahme. Zum Einsetzen der Speicherkarte muss Power-Schalter ausgeschaltet sein. Die LED ACCESS darf bei jeglichem Zugriff durch den Kameramann auf die SD-Speicherkarte weder blinken noch Dauerlicht anzeigen, denn in dieser Phase erfolgt ein Speicherkartenzugriff. Welcher, also ob Erkennvorgang, Zugriff bei Aufnahme, Wiedergabe oder Einlesen, signalisiert die LED durch ihre Blinkfrequenz. Passiert es aber doch einmal, dass beispielsweise die externe Stromversorgung entfernt wurde, während die LED blinkt, erscheint beim nächsten Einschalten des Camcorders die Reparaturbestätigungsanzeige auf dem Bildschirm, um eine Reparatur von Datenfehlern auf der Karte vorzunehmen. Die erfolgreiche Reparatur bestätigt das Gerät mit der Meldung "Wiederherstellung erfolgreich". In Abhängigkeit vom Fehler kann die Reparatur bis zu 20 Minuten dauern, deshalb ist vorab auf eine dauerhafte Stromversorgung zu achten. Wenn alle Stricke reißen, hilft eventuell noch die Inhaltsreparatur-Software AVCCAM Restorer.

SD-Speicherkarten, die zuvor in anderen Geräten in Gebrauch waren, sollen vor der Aufnahme neu formatiert werden. Das Gerät hat leider nur einen Slot zum Einführen einer Speicherkarte. Lt. Bedienungsanleitung kann die Speicherkapazität der SD-Karte von 512 MByte bis 32 GByte betragen. Vier Aufnahmemodi, die sich in der Bildqualität unterscheiden, bietet das Gerät.

DSCF3882 222Beim Sammeln von praktischen Erfahrungen im Umgang mit dem Camcorder stellte ich fest, dass der Automatik-Modus in den meisten Aufnahmesituationen die richtige Wahl ist. Nur bei wenigen Aufnahmesituationen bietet der manuelle Betrieb Vorteile gegenüber der Automatik - aber diesbezüglich muss jeder Kameramann je nach Situation selbst entscheiden, wie er vorgeht. Der Camcorder bietet dem Videofilmer, dem die Automatik nicht gut genug ist, umfangreiche manuelle Einstellmöglichkeiten. Eine besonders hilfreiche Unterstützung bietet dann die zuschaltbare Funktion "Zebra", die überbelichtete Anteile im Sucherbild darstellt. Vorsicht! Das Zebra-Messfeld erscheint nicht im Gesichtserkennungs-Modi.

Besonders intensiv hat sich Panasonic um die klare Darstellung von Gesichtern bemüht, und dementsprechend die Automatik für den optischen Fokus auf im Bild erkannte Gesichter optimiert. Bis zu 15 Gesichtserkennungsrahmen mit unterschiedlicher Priorität stehen zur Wahl. Vorsicht! Bei Anzeige eines Menüs im Bildschirm kann keine Aufnahme erfolgen. Erst das Menü schließen, und dann die Aufnahme starten.

DSCF3890 222Die Elektronik des Camorders erzeugt jeweils zwischen Start und Stop jeweils einen Clip, unabhängig von der Dauer der Aufnahme. Nach dem Stoppen der Aufnahme benötigt die Elektronik eine kurze Zeit, um den gerade aufgenommenen Clip abzuschließen. Die Anzahl der Clips auf einer SD-Karte ist auf 900 Clips begrenzt. Zu jedem Clip erzeugt der Camcorder ein Thumbnail, entsprechend dem ersten Bild des Clips und, wenn gewünscht, eine Shot-Marke. In der Thumbnail-Anzeige kann man nur die Clips zur Anzeige/Wiedergabe bringen, die mit einer Shot-Marke versehen sind. Diese Shot-Marken lassen sich während der Wiedergabe weder hinzufügen noch löschen.

In der Standardeinstellung des Geräts erfolgt die Aufnahme im PH-Modus und dem Format 1080/50i. Im 720-Modus erstellt die Kamera alle Aufnahmen im progressiven Modus, also in Vollbildschritten. Die Taste REC CHECK/PHOTO ist dafür da, die letzten zwei Sekunden der letzten Aufnahme wiederzugeben. Danach kehrt der Camcorder automatisch in den Bereitschaftsmodus für Aufnahme zurück. Diese Tastenfunktion reagiert nicht, wenn spezielle Situationen vorliegen, wie z.B. eine vorangegangene Zeitrafferaufnahme.

DSCF3865 222DSCF3864 222Das Zoomen mit dem 12-fach-Objektiv begeistert so sehr, dass wir auf die Funktion Digitalzoom völlig verzichteten. Der Spieltrieb mit dem optischen Zoom ließ sich in der Kennenlernphase offenbar nicht mehr bändigen, wie das spätere Sichten der Aufnahmen offenlegte. Selbst von der FB aus ist das Zoomen möglich. Der eingebaute optische Bildstabilisator verringert das Verwackeln der Aufnahmen beim Filmen aus der Hand. Weniger spektakulär aber extrem hilfreich kann die Funktion PREREC für so machen Kameramann sein. Sie dient zur Aufzeichnung von Bild und Ton 3 Sekunden vor dem Beginn der eigentlichen Aufnahme. Dem Kameramann bleiben somit 3 s Reaktionszeit, um ein gerade passiertes Ereignis doch noch festzuhalten. Und wer die einzelnen Szenen nicht mit einem harten Schnitt, sondern mit einem Blendeneffekt starten oder beenden will, für den hat Panasonic die User-Taste integriert.

DSCF3816 222Zur Kontrolle des Tons bei der Aufnahme bietet der HMC-41 Kopfhöreranschluss mit Lautstärkeregelung, was in Aufnahmesituationen mit hohem Umweltgeräusch seine Pluspunkte sammelt. Selbstverständlich lässt sich auch der Eingangspegel für das interne oder externe Mikrofon anzeigen und manuell am LC-Display einstellen.

DSCF3878 222Der Kameramann kann den drei User-Tasten Funktionen nach eigener Wahl zuordnen. Anstelle sich im Menü immer wieder von Ebene zu Ebene bis zum gewünschten Befehl vorzuarbeiten ist es viel geschickter, diesen häufig benutzten Befehl gleich auf eine User-Taste zu legen, beispielsweise die Funktion LETZTER CLIP. In ähnlicher Weise bekommt der Kameramann eine Unterstützung durch die Funktion Szene-Dateien. Hat er beispielsweise seine optimale Einstellung für eine öfters vorkommende Aufnahmesituation gefunden, so lassen sich alle an dem Camcorder vorgenommenen Einstellungen in einem Szenen-Speicher festhalten. Der HMC-41 verfügt über zwei dieser Szenenspeicher. Metadaten dienen der Erleichterung Nachbearbeitung der Szenen. Panasonic unterscheidet zwischen zwei Arten von Clip-Mediadaten: Daten, die während der Aufnahme automatisch generiert und festgehalten werden und spezielle Daten für die Metadaten-Hochladedatei.

Wie bereits oben kurz erwähnt, eignet sich dieser Camcorder auf für die Aufnahme von Fotos und bietet hierzu eine Vielzahl an Einstellmöglichkeiten, Auflösungen und Bildformaten.

DSCF3861 222Was sie Wiedergabe anbelangt, so hat Panasonic auch diesbezüglich nicht an Funktionen gespart, sondern dem Camcorder ein umfangreiches Paket an Wiedergabefunktionen mit auf den Weg gegeben. Sie alle zu beschreiben würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, habe ich mich selbst schon bei der Schilderung der Aufnahmefunktionen stark eingeschränkt. In allen Aufnahmesituationen, in die ich den Camcorder brachte, sorgte die eingebaute Automatik für gute Ergebnisse. Bei geringer Szenenbeleuchtung geht die Auflösung zurück. Besonders erwähnt gehört noch einmal das Zoom-Objektiv. Mit dem Gewicht von ca. 1 kg und Bedienelementen am Gehäuse, die sich auch tatsächlich noch von Hand bedienen lassen, spricht der Camcorder HMC-41 einen Kundenkreis an, der von Konsumergeräten Abstand nimmt.

Rudolf Auer

(zu Erfahrungsbericht)

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